Arbeit

Vordiplom (2019)

Ausstellungsansichten von meiner Diplomvorprüfung im November 2019

„...a human is dirty and the pure is pure.
Dirtiness consists of layers of dead skin and bodily secretions thinly coating the surface of the body, wax building in the ears and dust getting in the eyes, but it goes all the way to the point of being a being with a body, with a collection of orifices and protrusions which distance one from being the pure phallus or pure orifice.“
(baedon magazine: Musings on Nothingness - And Some of Its Varieties)

Zu Beginn meines Studiums habe ich mich mit alten Familienfotos, Zeichnung und Text beschäftigt. Es ging mir um die Funktionsweise von Erinnerung; darum was sich verzerrt, wie viel verloren geht und ob noch klar wird was wirklich passiert ist. Durch das Wiederholen des Erinnerns bekommt der Moment, den das Foto zeigt, neue Schichten und Färbungen; er wird in eine Erzählung eingefügt.
Oft ist es möglich über die Bildinformationen, wie Raum oder Kleidung, eine Zuordnung zu einer bestimmten Zeit oder Subkultur zu treffen.
Durch spekulatives Umdeuten oder Umsortieren habe ich dann begonnen die Fotos untereinander neu zu verknüpfen und Gegenüberstellungen zu finden.

private Fotos
Es ist ein echtes Erstaunen, eine Unsicherheit, ein Nicht-Wissen-was-als-Nächstes-passiert zu erkennen.
Zwischentöne, Uneindeutigkeiten
Dieses Verschwommene, Vielschichtige, Subtile, wird zu einer Qualität, die bei professionellen, gestageten Fotos verlogen geht.

Barbie und Britney
Beide bilden den selben Archetypen ab; stehen als junge, weiße, blonde Frauen für eine westliche Auffassung von Schönheit und Normalität. Ich greife die Überrepräsentation dieses einen Typuses auf und untersuche, was durch die ständige Wiederholung mit seiner Bedeutung und mit seiner Symbolstellung passiert.
Sucht man nach der ursprünglichen Form in einer der beiden, ergibt sich ein Loop. Die eine ist die Ableitung von der anderen und andersherum.
Barbie wurde einem Schönheitsideal nachempfunden und wurde dann im Zuge ihrer Popularität zur Schönheitsvorlage.

öffentliche Fotos
Popikonen, überproduziert, knallig, gut ausgeleuchtet, hochglanz-glossy-glänzend;
es wird eindeutig gepost.
Posen, die sich ihrer Wirkung bewusst sind, die ein Ziel haben und die das Handwerk der Haltung so gut kennen, dass sie wissen, wie sie die gewünschte Präsenz erreichen. Da ist etwas kalkuliertes drin.

eine Identität entwerfen
Bei Gender-Performativität (nach Judith Butler) geht es auch um die ständige Wiederholung tyrannischer und schmerzhafter Geschlechternormen (Konstrukte wie Geschlechtsbinarität und Heteronormativität), die durch diese Wiederholung zur Bedeutung gezwungen werden. Diese Normen bilden eine Falle, in der man sich unweigerlich befindet, für die man unweigerlich einen Umgang finden muss. Für mich stellt sich die Frage, was es für Möglichkeiten des Unterwanderns und der Umdeutung gibt.
ein Selbstbild entwerfen
Intimität mit sich selbst vs. Präsentationsbewusstsein
Mir geht es dabei darum wie ich mich inszeniere
auf welche Aspekte meines Selbsts ich bei der Darstellung verzichte
was ich bewusst verstecke

in welcher (Ver)kleidung ich bin
wie stark sich mein Selbstbild mit dem Blick von Außen deckt in welchen Haltungen ich mich präsentiere
welche Form mein Körper dafür einnimmt.

Gesten stehen für etwas, beziehen sich auf etwas; sie sind Zeichen.
Körper, die einladen, abweisen, auffordern, einschüchtern oder bewegt sind
Körper, die sich dem Blick von Außen nicht bewusst sind

Der Körper als etwas Formbares
Wie viel Raum nimmt er ein?
Wie viel Raum wird ihm zugestanden?
Nach wie viel Raum verlangt er?
Das sind Fragen nach Größe und Form, aber auch nach Möglichkeiten der Identitätsbildung außerhalb der Grenzen, die durch den Körper aufgestellt werden.

Der Körper als Material, als Ausgangspunkt
wird aufbereitet, gebunden, geschminkt, manipuliert
wird als Display genutzt.
Körper und Hintergrund verschwimmen, winden sich ineinander.
Die gemalten Personen sind meistens lebensgroß. Meine malerischen Gesten werden zu Gliedmaßen übersetzt, ein Gegenüber wird geformt. Die Größe des Gegenübers wird im Malprozess verhandelt.
Eine Palette an Fleischtönen geht in grelles Pink über.
Etwas belebtes wird mit Plastik, mit Make-Up, mit etwas künstlichen, konfrontiert.
Ich male geschminkte Gesichter. Dabei löst sich die Trennung von Gesicht (Untergrund) und Make-Up und wird im 2-Dimensionalen zu ein und der selben Schicht. Die Haut des Gesichtes und die Bearbeitung, die Manipulation dieser Haut, werden gleichwertig und gleichwahr.
Teile der Gesichter sind verschwommen, wie durch Weichzeichner, andere überspitzt, maskenartig karikiert, aufgesetzt.