Seminar & Exkursion

„Les traces de l'histoire / Bunker-Kulturen“

Ein Forschungs- und Ausstellungsprojekt der Hochschule für Künste (Katrin von Maltzahn & Mona Schieren) und der École Européenne Supérieure d’Art de Bretagne (Sylvie Ungauer & Magalie Lefebvre) in Zusammenarbeit mit dem Denkort Bunker Valentin Bremen 

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Exkursion zum Atlantikwall / Brest: Fort des Capucins, Roscanvel

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Exkursion zum Atlantikwall / Brest: Cap Finistère

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Exkursion zum Atlantikwall / Brest: auf dem Weg zur Fort de Cornouaille

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Exkursion in Bremen: Bunker in Gröpelingen

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Exkursion in Bremen: Denkort U-Boot-Bunker Valentin

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Exkursion in Bremen: Lagergelände des ehemaligen „Arbeitserziehungslagers“, des KZ-Farge

Veranstaltungsankündigung: 
Bremen und Brest – hier befinden sich die zwei größten U-Bootbunker Europas, der eine in aktiver Benutzung, der andere ist Gedenkstätte. Diese enormen fast unverwüstlichen Architekturen aus Beton bilden den Ausgangspunkt für gemeinsame Untersuchungen von Studierenden aus Bremen und Brest. 

Paul Virilio entwickelte 1972 eine Typologie der Festungsanlagen entlang des sogenannten „Atlantikwalls“. Fast 45 Jahre später haben sich die Symbolkraft der Kriegsmonumente und auch die Erinnerungskultur verändert. Besucht man Virilios Motive heute, ist schon auf dem ersten Blick sichtbar, dass diese teils unzerstörbaren Bauwerke sehr vielfältig gelesen, genutzt und in Besitz genommen werden. Manche der fast unzerstörbaren Bauwerke holt sich über die Zeit die Natur zurück, an vielen Orten zeugen Graffitibemalungen von Aneignungen, neue Laserschneidetechnologien erlauben architektonische Verwandlungen in Kunstmuseen und Wohnraum, wegen ihrer baulichen Qualitäten werden Bunker zu Firmensitzen, Musikbunkern Lagern und Schutzräumen. Wir möchten die U-Bootbunker in beiden Städten als Anlass und Ausgangspunkt für künstlerische Auseinandersetzungen nehmen, dabei zeitgenössische Befragungen aus verschiedenen Perspektiven aufnehmen und weiterentwickeln: 

Wie gestalten sich die diversen Umgänge heute mit dem Gedenken an die NS-Zeit und den Zweiten Weltkrieg? Bezieht der erstarkende Rechtspopulismus in Europa die Bunker in ihre Rhetoriken ein? Welche Funktion haben Bunker heutzutage in der Stadt aber auch entlang der Atlantikküste? Was wird aus den Gebäuden, wenn sie als Party- oder Bandprobenraum, für Pilzzuchten, als Loft oder Ausstellungsraum genutzt werden? Welche Phantasmen liegen der Vorstellung von Bunkern als Schutzraum zugrunde? Und kann es angesichts heutiger Kriegs- und Waffentechnologie noch ein außerhalb dessen – einen Schutzraum – geben? Inwiefern schreibt sich die Geschichte in die Materialität des Betons ein und wie spielt die eigene Ikonografie des Betons dort hinein. Bedeuten diese multiplen Aneignungen eine Tarnung der Geschichte oder handelt es sich dabei um eine Verwandlung und Auflösung der Zeichen durch den zeitlichen Kontext? Wie ist es möglich Geschichte gegenwärtig zu halten, obwohl sich ihre Spuren und die Perspektive darauf verändern? 

Zusätzliche Informationen:
Das wöchentliche Seminar wird begleitet von Vorträgen, Gästen und diversen Exkursionen, u. a. nach Brest im November 2016.